Reisebericht der Südengland Tour im April 2014, von unserem Teilnehmer Wolfgang

Südengland Bild

Schon am Flughafen fielen wir auf. Während eine Menge dunkel gekleideter und wichtig tuender „Manager“ – so eilig wie die es hatten, waren sie alle zu spät dran – mit mehr oder weniger kleinem Gepäck sich am Check in zu schaffen machten um dann genauso eilig und wichtig der Körperkontrolle zuzustreben, war bei unserer 40-köpfigen Truppe ein lautstarkes HALLO zu vernehmen. Begrüßungsszenen: Ungefähr so wie wenn Verwandtschaft sich nach langer Zeit einmal wiedersieht. Wir hatten ja auch nichts zu tun, alles wurde von unseren beiden guten Geistern (Beate und Karin) -im Folgenden „die Reiseleitung“ genannt - erledigt. Nach den üblichen Kontrollen saßen wir dann (wieder mit gehöriger Unterhaltungslautstärke) im Flugzeug, das uns nach Heathrow brachte.

 

England empfing uns - und so sollte es wohlgemerkt während unserer ganzen Reise bleiben - mit etwas kühler Temperatur aber mit strahlendem Sonnenschein; höchstens ein paar Schönwetterwölkchen – aber nie auch nur ein Tropfen Regen. Solch ein Glück muss einem schon beschieden sein. Na ja, wenn Engel reisen.

Mit dem Bus fuhren wir zur ersten Station - nach Stonehenge. Ein wahrhaft mystischer Ort und Weltkulturerbe. Um die ca. 4500 Jahre alte Geschichte dieser magischen Kultstätte ranken sich viele Sagen. Kein Wunder, wenn man heute noch darüber rätselt, wie diese Riesensteine über weite Strecken herbeigeschafft worden sind. Ein bemerkenswertes Denkmal menschlicher Tatkraft.
Weiter ging dann unsere Fahrt nach Salisbury zur Kathedrale. 123 Meter ragt der Turm in die Höhe und ist damit der höchste Kirchturm in England. Bemerkenswert war, dass die Führer in englischer Sprache den Rundgang mit uns machten. Und: weil diese sehr langsam gesprochen haben, wir ohne Hilfe folgen konnten. So hat der Englisch-Unterricht doch etwas genützt! Erwähnt sei noch das Kapitelhaus, in dem eine der vier Handschriften der Magna Charta aufbewahrt wird. Anschließend war Freizeit zur Stadtbesichtigung auf eigene Faust, die aber bei Vielen einem ersten Pub-Besuch zum Opfer fiel.


Grittleton Bild

Gegen 18 Uhr erreichten wir – hoch gespannt was uns wohl erwarten würde – unsere Unterkunft in Grittleton. Ein Minidorf, aber unser Domizil: ein riesiger englisch gepflegter Garten mit alten exotischen Bäumen, ein repräsentatives Herrenhaus (Manor house) und dann die ehemaligen frisch ausgebauten und mit Nasszellen und WC versehenen Stallungen, die unsere Bleibe für die nächsten Tage sein sollten. Begrüßt vom „Herbergsvater“ Steve wurden die Zimmer, die z.T. in den ehemaligen Pferdekojen eingebaut waren, verteilt und dann ging es zum Abendessen, das wir ebenfalls in einem Teil der Stallungen eingenommen haben. Im „Speisestall“ wurden die Trennwände für die Kojen  belassen und in den Kojen standen Tische und Bänke. Kein 4*Hotel aber urig und  für unsere Gruppe exklusiv reserviert. Nachdem die Räume sonst für Schülerfreizeiten u.ä. genutzt werden, musste der Wirt erst noch entsprechenden „Stoff“ in Form von Wein und Bier beschaffen. Um vorzugreifen, so viel Bier und Wein hat der Direktor Steve wohl noch nie in so kurzer Zeit verkauft!! Ein geplanter Pub-Besuch fiel für die Meisten der wohlverdienten Bettruhe zum Opfer.


Am nächsten Tag trafen wir uns zum Frühstück wieder im „Pferdestall“. Englisches Frühstück – schon ein wenig gewöhnungsbedürftig – aber andere Länder …..
Unser erster Programmpunkt an diesem Tag war die Besichtigung des „Manor-House“ d.h. des Haupthauses in unserem Anwesen. Im viktorianischen Stil erbaut, dient es heute als Schule und wird für besondere Gelegenheiten z.B. Hochzeiten genutzt. Geführt vom „Schlossherren“ - in kurzen Hosen und einem etwas abgetragenen T-Shirt –englisches Understatement? – sahen wir die prächtig ausgestatteten Räume und konnten uns erst im Inneren von der Größe des Objekts ein Bild machen. Bis in die Küche wurden wir geführt, wo nach meiner Erinnerung früher 72 Glocken angebracht waren, mit denen die Herrschaft ihre Wünsche den Bediensteten (jede Glocke bedeutete irgendetwas)  zu Gehör brachte. Sozusagen das Telefon im Urzustand. Haus und Garten zu erhalten ist eine riesige Aufgabe und ich bin mir nicht sicher, ob der heutige Besitzer immer sorgenfrei und frohgemut an dieses „Erbe“ denkt.

Nach dem Mittagessen ging es nach Bristol. Uns erwartete eine Führung und Besichtigung des World´s First Great Ocean Liner „SS Great Britain“. Eindrucksvoll schilderte der Guide die menschenunwürdigen Bedingungen, die bei den auf den hinteren Teil des Schiffes „verbannten“ Passagieren auf der bis zwei Monate dauernden Schiffsreise herrschten. Unbeschreibliche Zustände! Wie groß muss die Not und das Elend aber auch die Hoffnung auf bessere Verhältnisse gewesen sein, wenn sich jemand auf dieses Abenteuer oft mitsamt der Familie eingelassen hat.
Ganz anders – obwohl sicher bei hohem Seegang auch nicht gerade gemütlich – bei den Passagieren erster Klasse. Im Dining-Room saß Lady Mary als Puppe mitten im Luxus im prächtig ausgestatteten Speisesaal. Sie war es übrigens, der wir heute ausführliche Berichte über das Leben und die Zustände an Bord verdanken. So berichtet sie, dass eines Nachts eine Ratte wohl aus Hunger an ihren Zehen genagt hat; appetitlich oder was ? 1843 als größtes Schiff der Welt gebaut, fuhr sie Jahrzehnte lang nach Amerika und Australien.
Zum Abendessen versammelten wir uns wieder im „Pferdestall“. Ein gemeinsamer Pub-Besuch schloss sich an. Die Räume in diesem „Pu(b)ppenstüberl“ waren aber kaum dem Ansturm von so vielen Besuchern gewachsen. Es war eine echte „Käsdrucketse“ und doch ein echtes Erlebnis. Der Aufenthalt dauerte  unterschiedlich lange zumal die Lautstärke die Fensterscheiben beinahe zum Platzen brachte.

Am nächsten Morgen besuchten wir, - ausgerüstet mit einem Lunchpaket -   das Städtchen Bath. Schon an der Zahl der Besucher, die die Badeanlagen aus römischer Zeit besuchen wollte, konnten wir die Berühmtheit des Städtchens ablesen. Beeindruckend was die Römer aus den einzigen heißen Quellen in England gemacht haben. Auch die „Crescents“ – elegant geschwungene Häuserzeilen deren Kaufwert kaum zu beziffern ist – aus honigfarbenem Sandstein konnten wir auf dem Rundgang bestaunen. Das „royal Crescent“ hat es sogar zum Weltkulturerbe gebracht.

Zum „Queen Victoria Style Afternoon-Tea” erwartete  uns das „The Bridge Tea Rooms“ in Bradford on Avon. Kein vornehmes Ambiente in einer großen stilvollen Halle sondern ein altes und fast baufällig anmutendes und trotzdem beeindruckendes schönes kleines (Baujahr 1502) Lokal, das  mit unserer Mannschaft total ausgebucht war.  Wer englisch kann merke auf: „judged as near perfect and awarded The UK´s Top Tea Place by the prestigious UK Tea Guild“. Und da sind wir gelandet! Sowohl im Erdgeschoss wie auch im Obergeschoss wurden wir von stilvoll gekleideten jungen Damen bewirtet. Die auf dem Tisch stehenden Etageren waren mit Kuchen bestückt, von dem einer besser schmeckte als der andere. Schlemmen war angesagt. Da konnte man sich einfach nicht zurückhalten. Rundum eine wirkliches Erlebnis! Danke der Reiseleitung für diese großartige Idee!

Quiz Abend Bild

 

Nach dem Abendessen hatte die Reiseleitung ein Quizabend vorbereitet. In Gruppen mussten wir Rätsel in englischer Sprache lösen. Lustig ging’s zu, sodass der Spaß die Bemühungen um die richtigen Antworten weitaus überwog. Natürlich blieb nur eine Gruppe übrig, die als Sieger den süßen Preis errang.


Wales war das Ziel des folgenden Tages. Das scheint ja schon ein eigenes Völkchen zu sein mit einer ganz eigenen Sprache. Nicht so wie etwa deutsch und schwäbisch. Nein, total anders. So heißt z.B. Guten Tag zungenbrecherisch „prynhawn da“ und Auf Wiedersehen „hwyl fawr“– komisch was? Und fast alle  Schilder zweisprachig! In Cardiff hatten wir freie Zeit. Die meisten eroberten die Fußgängerzone und bestaunten z.B. das für die Größe dieser Stadt überdimensionale Kaufhaus. Am Nachmittag stand ein weiteres Highlight auf dem Programm: die Fahrt mit der “Brecon Mountain Railway“, einer Schmalspurdampfeisenbahn. Die Zugfahrt führte in den Brecon Beacons National Park mit einer hügeligen Landschaft, weiten Wiesen und bemoosten Wäldern. Während an den Vortagen eingezäunte Felder, die vielfach und großflächig raps gelb leuchteten, das Landschaftsbild prägten, war hier alles nur grün. Zurück zu unserem „Zügle“: Nostalgie pur. Holzklasse, offene Waggons und eine Dampflok, die die Herzen der Eisenbahnfreaks höher schlagen ließ. Fotografiert wurde, als ob das letzte Mal wäre, dass man eine solche Rarität zu Gesicht bekam.

Zum Abendessen gab es auf unseren Wunsch hin fish and chips. Allgemein wurde festgestellt, dass man diese Kombination durchaus essen könne.
Der folgende Abend sollte nach dem Wunsch der Reiseleitung von den Teilnehmern gestaltet werden. Wir trafen uns also in der großen Halle und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Und tatsächlich neben einigen Quiz und unterhaltsamen  Spielen fanden die vorgetragenen lustigen Gedichte lebhaften Beifall. So verbrachten wir in angeregter Stimmung den Abend bevor wir uns wieder in unsere „Kojen“ zurückzogen.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Nachdem unser Gepäck im Bus verstaut und die Getränkerechnung bezahlt war, ging es auf einen „walk“, der von Steve angeführt wurde. Durch die abwechslungsreiche Landschaft erreichten wir nach ca. 1 Stunde den Ort „Castle Combe“. Nach der Beschreibung handelt es sich um „one of Englands prettiest villages“. Und in der Tat: der Ort gleicht einer englischen Puppenstube im Großformat. Eine Filmkulisse sondergleichen. In der Kirche, es war ja „Good Friday“ war die Abendmahlszene aufgebaut und an Stelle jedes Apostels lagen zwölf handgestickte  Kissen am Boden. Erstaunlich war auch die Spielecke in der Kirche für die Kleinsten. Fragt sich nur, woher bei diesen wenigen Häusern die Kinder kommen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Marlborough um letzte Einkäufe zu erledigen, ging es dann schnurstracks gen Heathrow. Dort das übliche Gewühle, viele Leute, eine strenge Kontrolle und warten, warten  bis zum Aufruf. Immer wieder erstaunlich, wie viele Leute so in der Welt herumfliegen.

 

Das war jetzt mein Bericht. Aber halt: im Flugzeug hat sich die Stewardess bei ihren üblichen Ansagen vor dem Abflug derart versprochen, dass sie nicht mehr sprechen konnte, alle Passagiere lauthals lachten und ein Kollege die Ansage fortsetzen musste. Als Wegzehrung blieb uns nur noch das evtl. nicht vervesperte Sandwich bzw. die kleinen Chipstüten, die sich als wir in der Luft waren – wohl wegen des Unterdrucks – so aufgeblasen haben, dass sie zu platzen drohten. In Stuttgart angekommen, hatten sie aber wieder die Normalform angenommen.

 

Zum guten Schluss muss noch gesagt werden, dass der Abschied genau so geräuschvoll verlief, wie die Begrüßung beim Abflug.
Fazit: Es war eine schöne Reise mit vielen Eindrücken und einer ausgesprochen angenehmen Harmonie in der Gruppe. Es gab ja auch dank der gründlichen und sorgfältigen Vorbereitung durch die Reiseleitung keinerlei  Grund zur Klage. Im Gegenteil! Großes Lob! So könnte man sich eine weitere Reise durchaus wieder vorstellen. Vielleicht im nächsten Jahr? Also dann…
W.E.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0